GARBE Industrial hat untersucht, welche europäischen Regionen vom steigenden Bedarf an Militärlogistik profitieren könnten. Grundlage ist ein Whitepaper, das Standorte für verteidigungsrelevante Logistikimmobilien analysiert. Demnach zählen Städte in Belgien und den Niederlanden zu den am besten bewerteten Regionen. In Deutschland weisen insbesondere Teile Nordwestdeutschlands geeignete Voraussetzungen auf.
„Die Immobiliennachfrage im Verteidigungsbereich lässt sich grundsätzlich in zwei Cluster unterteilen: den mobilitätsgetriebenen Bedarf der Militärlogistik sowie den fertigungsbedingten Bedarf. Beide folgen unterschiedlichen räumlichen Mustern. Unser jetzt vorliegendes Whitepaper untersucht die militärische Mobilität und zeigt, welche Standorte hiervon besonders an Bedeutung gewinnen könnten“, sagt Tobias Kassner, Head of Research bei GARBE Industrial.
Nach Angaben des Unternehmens unterscheiden sich die Anforderungen im Verteidigungsbereich teilweise von denen des allgemeinen Industrie- und Logistiksektors. Berücksichtigt werden unter anderem Sicherheitsaspekte, Verkehrsanbindung, Flexibilität sowie die Belastbarkeit der Infrastruktur. Der zusätzliche Flächenbedarf dürfte sich daher vor allem auf Standorte in der Nähe wichtiger europäischer Importpunkte und Infrastrukturkorridore mit multimodaler Verkehrsanbindung konzentrieren.
Für die Analyse identifizierte das Research-Team von GARBE Industrial strategische Militärkorridore anhand von fünf Kenngrößen. Berücksichtigt wurden die Nähe zum transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V), die multimodale Verkehrsanbindung, die Autobahnanbindung, die Geländeeignung sowie die Effizienz grenzüberschreitender Zollprozesse. Daraus wurde der Defence Logistics Affinity Score (Defence LOFIN) berechnet, der die Eignung von Logistikstandorten auf Gemeindeebene (Local Administrative Units, LAU) für militärlogistische Nutzungen bewertet.
Nur wenige Standorte erfüllen die entscheidenden Kriterien
Nach den Ergebnissen erreichen sechs Prozent der Landfläche der 25 untersuchten europäischen Länder einen LOFIN-Wert von mehr als fünf Punkten (Maximalwert: sieben). In den Niederlanden und Belgien liegen rund zwei Drittel der Landfläche über diesem Wert. In Deutschland beträgt der Anteil 22 Prozent, in Italien elf Prozent. Damit sind Deutschland und Italien die einzigen der fünf größten europäischen Logistikmärkte mit einem zweistelligen Flächenanteil.
Die Benelux-Staaten erzielen bei allen fünf Bewertungsparametern hohe Werte. Die untersuchten Regionen erreichen LOFIN-Werte von mehr als 6,7 Punkten.
Die Untersuchung hebt außerdem die Bedeutung der Seehäfen zwischen Hamburg und Le Havre sowie weiterer Hafenstandorte hervor. Die höchsten Bewertungen entfallen auf Rotterdam und Antwerpen einschließlich ihres Hinterlands. Auch Hamburg, Bremerhaven, Le Havre und Calais erreichen LOFIN-Werte von mehr als sechs Punkten. Darüber hinaus werden unter anderem Klaipėda in Litauen und Constanţa in Rumänien als strategisch relevante Hafenstandorte genannt.
Zu den am höchsten bewerteten Standorten in Deutschland zählen Karlsruhe/Mannheim, Duisburg und Hamburg mit einem LOFIN-Wert von jeweils 6,6 sowie Hannover mit 6,4 Punkten. Karlsruhe/Mannheim liegt an einem TEN-V-Korridor und verbindet die Benelux- und Nordseehäfen mit Süddeutschland und Frankreich.
„Die Kombination aus Rhein-Anbindung, leistungsfähiger Schiene und dichter Autobahnverflechtung schafft genau jene Redundanz und Resilienz, die für militärische Mobilität wesentlich ist“, erläutert Kassner.

Prognose für steigenden Flächenbedarf
Nach Angaben von GARBE Industrial könnte die Beschaffung von Verteidigungsgütern in Europa bis 2030 auf 704 Milliarden Euro steigen. Das Unternehmen verweist auf eine frühere Untersuchung, wonach je Milliarde Euro Verteidigungsinvestitionen ein zusätzlicher Bedarf von 245.000 bis 490.000 Quadratmetern Industrie- und Logistikfläche entstehen könne. Daraus ergebe sich innerhalb der kommenden fünf Jahre ein potenzieller zusätzlicher Flächenbedarf von 37 bis 75 Millionen Quadratmetern. Da viele Immobilien für den Eigenbedarf errichtet würden, könnten davon rund 7,5 bis 14,9 Millionen Quadratmeter auf den institutionellen Immobilieninvestmentmarkt entfallen.
„Die europäische Aufrüstung schafft ein erhebliches Nachfragepotenzial für Industrie- und Logistikimmobilien. Um dieses Potenzial zu erschließen, ist eine genaue Kenntnis der Hauptverkehrswege und militärischen Mobilitätsmuster entscheidend“, sagt Kassner. „Strategische Investments und Projektentwicklungen sollten sich vor allem auf Standorte entlang der hoch bewerteten Korridore konzentrieren. Die Kombination aus multimodaler Verkehrsanbindung, Autobahnzugang sowie der Nähe zu Seehäfen und weiteren Zugangspunkten bietet die besten Chancen, von der künftig entstehenden Nachfrage zu profitieren.“
Das Whitepaper steht auf der Website von GARBE Industrial zum Download bereit.
Zum Defence LOFIN Score: Der Logistics Affinity Score (LOFIN) ist ein von GARBE Industrial entwickeltes Analysemodell zur Bewertung der Attraktivität von Gemeinden für logistische Nutzungen. Für die vorliegende Analyse wurden die Bewertungsparameter an die Anforderungen der Militärlogistik angepasst.




