Viele Unternehmen haben sich Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Sie wollen CO₂-Emissionen reduzieren, ihre Lieferketten klimafreundlicher gestalten und setzen dabei zunehmend auf Elektro-Lkw. Die Elektromobilität stößt jedoch an Grenzen, wenn Lieferketten nicht planmäßig funktionieren.
Produktionsschwankungen, kurzfristige Kundenaufträge oder saisonale Spitzen führen dazu, dass der Bedarf an Transportkapazitäten schwankt. Werden zusätzliche Kapazitäten benötigt, kommt der Spotmarkt zum Einsatz – jener Teil des Transportmarktes, in dem Transporte kurzfristig vergeben und Kapazitäten flexibel organisiert werden. Während ein Diesel-Lkw nahezu überall innerhalb weniger Minuten betankt werden kann, benötigen Elektro-Lkw verfügbare Ladepunkte und Zeit zum Laden. Zudem ist die Wirtschaftlichkeit ein Faktor. Wer unterwegs auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, zahlt häufig höhere Preise als am eigenen Betriebshof.
Für viele Transportunternehmen ist deshalb nicht die Reichweite das größte Hindernis auf dem Weg zur Elektromobilität, sondern die Kalkulationsgrundlage. Damit rückt ein Thema in den Fokus, das bislang vor allem unter dem Aspekt der Gebäude- und Standortentwicklung diskutiert wurde: privatwirtschaftliche Ladeinfrastruktur.
Auf Betriebshöfen, in Logistikzentren und an Unternehmensstandorten entstehen derzeit neue Ladepunkte. Neben der Anzahl der Ladepunkte wird entscheidend sein, wie diese Infrastruktur künftig genutzt wird. Dabei stellt sich die Frage, ob die Ladeinfrastruktur eines Standorts ausschließlich der eigenen oder vertraglich gebundenen Flotte zur Verfügung stehen soll. Pilotprojekte untersuchen derzeit, wie Ladepunkte zu planbaren Konditionen sowie mit Reservierungs- und Stornierungsoptionen auch anderen Marktteilnehmern zur Verfügung gestellt werden könnten.
Kann ein Transportdienstleister nach der Be- oder Entladung auf dem Werksgelände laden, anstatt einen öffentlichen Ladepark anzusteuern, könnte dies Zeit sparen. Zudem könnte sich die Wirtschaftlichkeit elektrischer Transporte verbessern und die Flexibilität im Betrieb erhöhen. Damit gewinnt die Rolle von Logistikimmobilien an Bedeutung.
Standorte könnten künftig neben ihrer Funktion als Umschlagpunkte für Waren auch Infrastrukturknoten des elektrifizierten Straßengüterverkehrs werden. Ladepunkte entlang bestehender Transportrelationen könnten Transportpartnern zusätzliche Lademöglichkeiten bieten und die Dekarbonisierung von Lieferketten unterstützen.
Die Diskussion über den Elektro-Lkw konzentriert sich häufig auf Batterien, Reichweiten und Fahrzeugtechnik. Eine zentrale Rolle könnte jedoch auch der Ausbau und die Integration der Ladeinfrastruktur in bestehende Transportnetzwerke spielen.
Autor: Gunnar Gburek, Head of Business Affairs, TIMOCOM




