Geopolitische Krisen belasten Industrie- und Logistikmärkte
Die zu Jahresbeginn erwartete Belebung der deutschen Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2026 ausgeblieben. „Neue geopolitische Krisen, die fortbestehenden strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft sowie ein noch schwierigeres Finanzierungsumfeld haben die Nachfrage nach Industrie- und Logistikflächen belastet. Trotz dieser Rahmenbedingungen zeigen sich die Top-7-Logistikmärkte insgesamt widerstandsfähig„, beobachtet Markus Müller, Sprecher von German Property Partners (GPP).
Die Entwicklung der Spitzenmieten, Grundstückspreise und Spitzenrenditen an den sieben größten deutschen Logistikstandorten haben die GPP-Unternehmen Anteon Immobilien, E & G Immobilien, GREIF & CONTZEN Immobilien und Grossmann & Berger Immobilien in einer Marktübersicht zusammengefasst.
Spitzenmieten überwiegend stabil
Die Flächennachfrage entwickelte sich im ersten Halbjahr regional unterschiedlich. Während sich der Hamburger Markt stabil zeigte, verlief das Marktgeschehen in Köln und Stuttgart aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und zurückhaltender Investitionsentscheidungen verhaltener. Zudem dauerten viele Anmietungsprozesse länger.
Die Spitzenmieten blieben im ersten Halbjahr 2026 überwiegend unverändert. München verzeichnete mit 10,90 Euro/m² pro Monat weiterhin die höchste Spitzenmiete im Stadtgebiet. Im Umland von Stuttgart sank die Spitzenmiete seit Jahresbeginn um 0,70 Euro/m² auf 9,20 Euro/m².
Investmentmarkt
Das Interesse an Industrie- und Logistikimmobilien blieb bestehen. Gestiegene Hypothekenzinsen und restriktivere Finanzierungsbedingungen erschwerten jedoch vielerorts den Abschluss von Transaktionen. In Düsseldorf war eine leichte Belebung des Investmentmarktes zu beobachten. Dort wurden wieder vermehrt Exklusivitätsvereinbarungen geschlossen und Objekte geprüft. Das Käuferinteresse konzentrierte sich vor allem auf Logistikimmobilien, während Produktions- und Light-Industrial-Objekte zurückhaltender nachgefragt wurden.

Die Logistik-Spitzenrenditen lagen zwischen 4,40 und 4,70 Prozent und zeigten eine leicht steigende Tendenz. Die niedrigste Spitzenrendite wurde mit 4,40 Prozent in Düsseldorf registriert. In Köln lag sie bei 4,60 Prozent, in Hamburg und Stuttgart bei jeweils 4,70 Prozent. Aufgrund der geringen Zahl von Top-Transaktionen ist die Datengrundlage weiterhin begrenzt.
Grundstückspreise
Projektentwickler sehen sich weiterhin einer verhaltenen Flächennachfrage und restriktiveren Finanzierungsbedingungen gegenüber. Spekulative Projektentwicklungen blieben daher die Ausnahme. Entsprechend stiegen die Grundstückspreise nur an einzelnen Standorten. Das höchste Preisniveau wurde mit bis zu 790 Euro/m² in München verzeichnet.
Ausblick
Eine schnelle Konjunkturerholung wird derzeit nicht erwartet. Sollten sich die geopolitischen Rahmenbedingungen entspannen und die Energiepreise sinken, könnte sich die Nachfrage im zweiten Halbjahr schrittweise beleben. In Hamburg wird mit einer steigenden Marktaktivität gerechnet. In Köln könnten größere Anmietungen in Neubauten die Spitzenmiete im Stadtgebiet erhöhen.
Auf dem Investmentmarkt dürfte die Zurückhaltung vieler Investoren angesichts des anhaltend hohen Zinsniveaus zunächst bestehen bleiben. Ob sich die leicht steigende Tendenz der Spitzenrenditen fortsetzt, bleibt abzuwarten. Spekulative Projektentwicklungen dürften weiterhin die Ausnahme bleiben. Im Umland von Stuttgart könnten die Grundstückspreise aufgrund der schwachen Flächennachfrage und der gesunkenen Spitzenmieten weiter unter Druck geraten.
„Wir sehen erste Anzeichen einer leichten Stimmungsaufhellung. Für eine spürbare Trendwende ist es jedoch noch zu früh. Solange die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen unsicher bleiben, dürften Unternehmen und Investoren ihre Entscheidungen weiterhin mit großer Zurückhaltung treffen„, ordnet Markus Müller ein.




