Auch rund 40 Tage nach Beginn der Krise rund um die Straße von Hormus hat sich die Lage kaum entspannt. Eine Waffenruhe wird wiederholt gebrochen. Während die Finanzmärkte reagiert haben, bleiben die Auswirkungen auf die globalen Lieferketten bestehen.
Der Tankerverkehr durch die Meerenge hat sich bislang nicht erholt. Nach einer Eskalation durch Israel im Libanon hat der Iran erneut Transitbeschränkungen verhängt, sodass der Durchsatz weiterhin nahezu bei null liegt. Auch die alternative Route durch das Rote Meer über Bab al-Mandab bleibt unsicher. Viele Reedereien nutzen weiterhin den Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung.
Eine Analyse von Prewave bewertet die Auswirkungen des Waffenstillstands auf Lieferketten sowie mögliche Entwicklungen.
Zentrale Erkenntnisse
Begrenzte Kapazitäten bremsen die Erholung: Der Iran lässt derzeit etwa 12 Schiffe pro Tag passieren. Um den Rückstau an Tankern abzubauen, wären rund 40 Tage erforderlich.
Die Waffenruhe wirkt sich bisher nur auf Preise aus, nicht auf Lieferungen: Die Ölpreise (Brent) haben sich angepasst, beim Transport gab es jedoch kaum Veränderungen. Bis zur erneuten Einschränkung konnten zwei Schiffe die Passage nutzen.
Erste Entlastung verzögert sich: Zusätzliche Öllieferungen werden in Asien frühestens Ende April bis Anfang Mai erwartet, in Europa aufgrund längerer Transportwege Anfang bis Mitte Mai. Lieferketten für Container und petrochemische Produkte stabilisieren sich voraussichtlich erst im Juni.
Einige Bereiche bleiben länger beeinträchtigt: Betroffen sind unter anderem die LNG-Produktion in Katar, die Heliumproduktion sowie Raffinerien in der Golfregion. Eine kurzfristige Erholung dieser Kapazitäten ist nicht absehbar.
Engpässe bei Chemieprodukten und Düngemitteln nehmen zu: Lieferketten für Polyethylen geraten ab April unter Druck. Gleichzeitig zeigen sich Engpässe bei Düngemitteln, insbesondere in importabhängigen Ländern.
Ausblick
Die Entwicklungen führen zu Veränderungen im globalen Handel. Die Straße von Hormus entwickelt sich zu einem stärker kontrollierten Korridor, mit Auswirkungen auf Kosten, Kapazitäten und Planung.
Die weitere Entwicklung hängt insbesondere davon ab, ob die Eskalation im Libanon eingedämmt wird und ob der Iran die kontrollierte Durchfahrt durch die Straße von Hormus beibehält.
Im wahrscheinlichsten Szenario bleibt der Schiffsverkehr eingeschränkt und die Erholung verzögert sich. Auswirkungen auf energieabhängige Lieferketten sind bis in den Mai und Juni zu erwarten.
Bei anhaltenden Störungen über einen längeren Zeitraum hinaus könnten sich die Auswirkungen ausweiten. Dies könnte weitere Teile der Schifffahrt betreffen und das Risiko von Unterbrechungen in mehreren Lieferketten erhöhen, mit möglichen Folgen für die Versorgung in betroffenen Regionen.




