Befragung unter Logistikfachleuten zeigt: Die Stimmung tendiert leicht ins Negative. Preisdaten weisen auf steigende Transportkosten hin.
Der europäische Straßengüterverkehr steht weiter unter Druck. Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 270 Fachleuten aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Produktion und Handel zeigt ein geteiltes Stimmungsbild mit leicht negativer Tendenz: 52,4 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Marktlage für ihr Unternehmen als eher schlecht oder sehr schlecht. 47,6 Prozent schätzen sie dagegen als eher gut oder sehr gut ein.

Negative Lagebewertungen nehmen um 10,4 Prozentpunkte zu
Gegenüber der Befragung im Januar und Februar 2026 hat sich die Stimmung eingetrübt. Damals bewerteten 42,0 Prozent der Teilnehmenden die Marktlage negativ, 58,0 Prozent positiv. In der aktuellen Befragung hat sich dieses Verhältnis nahezu umgekehrt. Der Anteil negativer Bewertungen stieg um 10,4 Prozentpunkte, während der Anteil positiver Bewertungen im gleichen Umfang zurückging.
Die Erhebung fällt in eine Phase geopolitischer und energiewirtschaftlicher Unsicherheit, insbesondere infolge der Eskalation im Nahen Osten und Einschränkungen an der Straße von Hormus. Während ein Teil der Unternehmen von knappen Kapazitäten, steigenden Kosten und eingeschränkter Planbarkeit berichtet, verweisen andere Marktteilnehmer auf eine stabile Nachfrage.
Bewertung hängt von Marktrolle und Geschäftsmodell ab
Die Einschätzung der Marktlage hängt vom jeweiligen Geschäftsmodell der Teilnehmer ab. Unternehmen mit flexiblen Kontrakten, stabiler Subunternehmerflotte oder langfristigen Kundenbeziehungen berichten von einer guten Auslastung. Frachtführer berichten von ausreichendem Frachtangebot, etwa für Anschlusstouren oder Beiladungen. Demgegenüber beurteilen Umfrageteilnehmer mit Fokus auf die Transportvergabe die Lage pessimistischer und verweisen auf kurzfristige Kapazitätsengpässe, steigende Einkaufspreise oder sinkende Margen.
„Die Umfrage zeigt einen Transportmarkt, der nicht pauschal als schwach beschrieben werden kann, aber deutlich unter Druck steht„, sagt Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM. „Entscheidend ist, aus welcher Marktposition Unternehmen auf die Lage blicken: Verlader aus Industrie und Handel bzw. deren Spediteure spüren Verfügbarkeits- und Kostendruck aktuell besonders stark, wohingegen diejenigen Dienstleister profitieren, die über eigene Kapazitäten oder ein starkes Netzwerk verfügen.„
Unternehmen benennen Herausforderungen und Kostentreiber
Neben der Lagebewertung zeigen die offenen Antworten der Teilnehmenden, welche Faktoren die Unternehmen aktuell beschäftigen: Genannt werden knapper Laderaum, fehlende LKW-Verfügbarkeiten, Fahrermangel sowie steigende Kosten für Diesel, Maut und Betrieb. Einzelne Teilnehmer berichten zudem von längeren Lieferzeiten, erschwerter Kapazitätsbeschaffung bei Bedarfsspitzen und zunehmendem Planungsaufwand.
„Logistikunternehmen müssen effizienter agieren, weil höhere Kosten nicht immer vollständig weitergegeben werden können. Denn Industrie und Handelsunternehmen können nicht jede Kostensteigerung auffangen, da sie selbst unter Wettbewerbsdruck stehen und die Konsumenten nicht bereit sind, jeden Preisanstieg mitzugehen„, so Gunnar Gburek.
Transportpreise liegen über Vorjahreswerten
Die in der TIMOCOM Frachtenbörse erfassten durchschnittlichen Transportpreise im bisherigen Jahresverlauf 2026 zeigen eine Aufwärtsbewegung. Die Monatsdurchschnittspreise innerhalb Deutschlands lagen von Januar bis Mai sowohl auf Auftraggeber- als auch auf Auftragnehmerseite durchgehend über Vorjahresniveau. Im März und April lagen die durchschnittlichen Spotmarktpreise jeweils mehr als 11 Prozent über den Vorjahreswerten. Im Mai boten die Auftraggeber durchschnittlich 2,19 Euro pro Kilometer und damit über 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der höchste von den Auftragnehmern geforderte durchschnittliche Transportpreis wurde in Kalenderwoche 20 mit 2,36 Euro pro Kilometer ermittelt.
Kostendruck und Kapazitätsnutzung
Für den Straßengüterverkehr bleiben Energiepreise, Beschaffungskosten und Planungssicherheit zentrale Faktoren. Die effiziente Nutzung vorhandener Transportkapazitäten gewinnt damit an Bedeutung.




