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StartLogistikWenn das Wetter die Logistik verändert …

Wenn das Wetter die Logistik verändert …

Von Patrick van Denzel  

Das Wetter hat den Transport schon immer beeinflusst, doch zunehmend unvorhersehbare und extreme Wetterbedingungen machen es zu einem Faktor, den Logistikunternehmen in ihrer Planung immer stärker berücksichtigen müssen.   

Im August dieses Jahres wurden am Rhein, an der Elbe und an der Donau nach Phasen mit großer Hitze und geringem Niederschlag niedrige Wasserstände verzeichnet. Der Rhein geriet besonders unter Druck: Der Pegel in Kaub sank auf 8 cm und erreichte damit zum ersten Mal seit Beginn der Messungen einen einstelligen Wert. Auch Wochen später hat sich die Situation noch nicht entspannt: Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) geht davon aus, dass die extreme Niedrigwassersituation bis in den Herbst hinein andauern wird, ohne dass in den kommenden Wochen eine signifikante und anhaltende Besserung zu erwarten ist.   

Seit August müssen Binnenschiffe mit deutlich reduzierten Ladungen fahren. Im Hafen von Duisburg mussten dieselben Gütermengen beispielsweise auf mehr Schiffe verteilt werden, sodass dort rund 50 bis 60 Prozent mehr Schiffe den Hafen anliefen als in den Vormonaten. Infolge der allgemeinen Kapazitätsengpässe mussten Ladungen auf alternative Verkehrsträger, insbesondere auf Straße und Schiene, verlagert werden. Was als trockener, heißer Sommer begann, hatte daher Folgen, die weit über die Binnenschifffahrt hinausreichten und sich auf Kosten und Planung im gesamten Güterverkehrsnetz auswirkten.  

Wenn ein Verkehrsträger an Kapazität verliert, verlagert sich der Druck auf andere Bereiche   

Die verringerte Kapazität der Binnenschiffe führte dazu, dass Fracht verzögert, umgeleitet oder auf andere Verkehrsträger verlagert werden musste, was die Schienen- und Straßeninfrastruktur unerwartet unter Druck setzte. Die Schiene konnte einen Teil der zusätzlichen Transporte übernehmen, doch auch dort waren die Kapazitäten begrenzt. Ein erheblicher Teil der Fracht musste deshalb auf die Straße verlagert werden. Fast alle deutschen Bundesländer lockerten vorübergehend die Fahrverbote für den Lkw-Verkehr an Sonn- und Feiertagen, um die zusätzliche Nachfrage bewältigen zu können. Doch mehr Flexibilität auf der Straße bedeutete nicht automatisch mehr Kapazität. Der Straßengüterverkehr war bereits durch einen Mangel an Fahrzeugen und Fahrern eingeschränkt, während die Fahrer weiterhin die gesetzlichen Ruhezeiten einhalten mussten.   

Die Verlagerung auf den Straßentransport ist nicht nur eine logistische, sondern auch eine finanzielle Frage. Ein großer Chemiehersteller berichtete, dass etwa 60 Lkw erforderlich sind, um ein einzelnes Binnenschiff mit einer Ladung von 1.500 Tonnen zu ersetzen. Der Transport desselben Volumens erfordert daher deutlich mehr einzelne Transportfahrten, was mit zusätzlichen Kosten und zusätzlichem Koordinationsaufwand verbunden ist.   

Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, die anfängliche Störung zu bewältigen, sondern auch darin, zu verstehen, wie sich ihre Auswirkungen auf ein Netzwerk ausbreiten, das an anderen Stellen oft bereits nur über begrenzte Reservekapazitäten verfügt.   

Das Wetter kann schnell zu einem Kostenfaktor werden     

Wenn die Kapazitäten knapp werden, können Transportunternehmen bei der Auftragsannahme selektiver werden, während die Verlader um die verbleibenden Kapazitäten konkurrieren. Dies kann zu Preissteigerungen führen, selbst wenn die Gesamtnachfrage unverändert bleibt.   

Für Logistikunternehmen wird es daher immer wichtiger, nicht nur zu verstehen, was mit ihren eigenen Sendungen geschieht, sondern auch, wie sich verändernde Marktbedingungen auf die verfügbaren Kapazitäten auswirken. Auch wenn eine Sendung noch planmäßig unterwegs ist, können die Bedingungen an anderen Stellen im Netzwerk bereits die verfügbaren Optionen einschränken und die Kosten für den weiteren Transport erhöhen. Unternehmen können einen Teil dieser zusätzlichen Kosten zunächst selbst tragen. Halten die Störungen jedoch an, können die Kosten letztlich an die Kunden und damit auch an die Verbraucher weitergegeben werden.    

Von der Reaktion auf Störungen zur Steuerung des Netzwerks   

Wetterbedingte Störungen sind schwer vorherzusagen und für Logistikunternehmen unmöglich zu kontrollieren. Was sie jedoch beeinflussen können, ist die Geschwindigkeit ihrer Reaktion. Dafür brauchen sie Transparenz über verfügbare Spediteure, Routen und Verkehrsträger sowie die Flexibilität, bei Kapazitätsengpässen zwischen diesen zu wechseln. Ein Netzwerk, das Spediteure und Verkehrsträger miteinander verbindet, ermöglicht es Verladern, sich abzeichnende Engpässe zu erkennen und zu handeln, bevor Kapazitäten knapp werden und nicht erst, nachdem sich eine Sendung bereits verzögert hat.   

Vorbereitung auf die nächste Störung  

Da extreme Wetterereignisse immer häufiger auftreten, darf sich die Störungsplanung nicht mehr isoliert auf einzelne Ereignisse konzentrieren. Unternehmen können zwar nicht vorhersagen, wann oder wo das nächste Ereignis eintreten wird, aber sie können Transportnetzwerke aufbauen, die flexibel genug sind, um sich an veränderte Bedingungen anzupassen. So verringern sie das Risiko, dass eine Störung in einem Teil des Netzwerks zu Verzögerungen und höheren Kosten an anderer Stelle führt. Die Niedrigwasserstände am Rhein machen deutlich, dass es bei Resilienz nicht darum geht, ein einzelnes Ereignis zu überstehen, sondern darum, die Ausbreitung von Störungen zu erkennen und rechtzeitig flexible Umleitungen zu finden, bevor sie sich auf das eigene Geschäft auswirken.    

Bild: Patrick van Denzel

Patrick van Denzel ist Chief Revenue Officer für Verlader bei der Alpega Group. Die Transportabwicklungsplattform von Alpega bietet Verladern Echtzeit-Transparenz und Kontrolle über Spediteure, Verkehrsträger und Routen in mehr als 80 Ländern und hilft ihnen so, Kapazitäten und Kosten bei sich ändernden Bedingungen zu steuern. 

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