- Zwölf Zitate aus sechs Ausgaben der LogReal.Direkt, unserem zweimonatlich erscheinenden Magazin
Im Rahmen der Produktion unseres Printmagazins haben wir das ganze Jahr über ständigen oder sporadischen Kontakt zu zahlreichen Autoren und Gesprächspartnern. Sie liefern uns (und damit auch Ihnen) immer wieder interessante Einsichten zu relevanten Themen. Eine kleine Auswahl von Aussagen, die Sie in diesem Jahr lesen konnten, haben wir noch einmal herausgesucht. Mal kritisch, mal nachdenklich, mal analytisch: So muss es sein. Enjoy!

Frank Thelen, Tech-Investor, Freigeist Capital:
„Wir haben grundsätzlich hervorragende Köpfe in Deutschland. Derzeit herrscht allerdings allgemein kein gutes Mindset. Wir durchlaufen einen Paradigmenwechsel, das ist schwierig für viele Menschen. Verlangt sind heute Pioniergeist und Freude am Schaffen. Was wir sehen, sind Diskussionen über Work-Life-Balance und Null-Bock-Tage. […] Ich will ein Land, in dem die Leute sagen: Hey, ich mach mal für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren fünfeinhalb Tage in der Woche, damit es wieder besser läuft. Ich sehe allerdings das Gegenteil: den Wunsch nach einer Viertagewoche, Dreitagewoche … Wir sind eine Freizeitnation geworden“. (Ausgabe Januar/Februar, S. 09)

Pero Mićić, Gründer und Vorstand der Future Management Group:
„Es wird noch sehr lange Menschen geben, die gern Auto fahren. Aber in fünfzehn oder zwanzig Jahren wird es nicht mehr nötig und nicht mehr üblich sein, einen Führerschein zu machen. Das gilt wohlgemerkt auch für Weltregionen, die wir als Entwicklungsländer betrachten. Denn, um es zu wiederholen, Robotaxis sind viel billiger als eigene Fahrzeuge. Auch als die meisten gebrauchten Fahrzeuge“. (Ausgabe Januar/Februar, S. 15)

Herbert Saurugg, Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge (Österreich):
„Die Zahl der Eingriffe in das Stromnetz hat, verglichen mit der Situation vor 20 Jahren, drastisch zugenommen. Das hat aber noch nichts mit drohenden Blackouts zu tun. Eingriff bedeutet nur, dass Kraftwerke in einem Netzabschnitt je nach Situation zu- oder abgeschaltet werden. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wo die Obergrenze liegt und wie weit wir von gefährlichen Kipppunkten entfernt sind. Auf jeden Fall gerät das System zunehmend unter Stress“. (Ausgabe März/April, S. 10)

Sönke Kewitz, Geschäftsführer P3 Deutschland:
„Man zeichnet in Sachen Stranded Assets gern Horrorszenarien. Bevor eine Immobilie ungenutzt herumsteht, wird es immer eine Lösung geben, sie zu modernisieren und marktfähig zu halten. Bei entsprechendem Alter, sagen wir mal 50 Jahre, ist auch eine Neuentwicklung sinnvoll, sprich: Abriss und Neubau. […] Hilfe aus der Politik können wir nicht erwarten. Wir müssen für uns selbst sorgen, denn wir werden mit unseren Themen stiefmütterlich behandelt. Ich erwarte auch von einer künftigen Regierung keine Veränderungen“. (Ausgabe März/April, S. 29)

Prof. Dr. Christoph Tripp, TH Nürnberg:
„Der seit etwa 15 Jahren weitgehend kontinuierlich wachsende Onlinehandel hat zu einer steigenden Illoyalität von Kunden gegenüber Händlern (und teils auch Marken) geführt. Preise und Leistungen einzelner Artikel und ergänzender Services (z.B. Lieferservices) lassen sich mit wenig Aufwand global vergleichen. Dies treibt kurzfristige, preisgetriebene Kaufentscheidungen und reduziert die Treue zu einzelnen Händlern. […] TikTok-Shopping setzt aber weniger auf preisgetriebene Kaufentscheidungen, sondern auf emotionale Spontankäufe. Insofern ist die Bindung der Nutzer zur TikTok-Plattform und zu ausgewählten Influencern zwar hoch, die Bindung zu einzelnen Händlern oder spezifischen Marken vermutlich aber eher nicht. Social Selling führt somit zu einer höheren Illoyalität von Kunden und zu steigenden Kosten für die Neukundengewinnung von Händlern“. (Ausgabe Mai/Juni, S. 06)

René Etzdorf, WISAG Sicherheit & Service:
„Wer Sicherheit heute neu denkt, setzt auf Technologien, die Risiken minimieren, Effizienz steigern und Werte sichern. Drohnen und Roboter sind dabei keine Zukunftsvision – sie sind längst Realität. Die Herausforderung liegt in ihrer intelligenten Integration in bestehende Konzepte. Schließlich schützen sie nicht nur Werte – sie schaffen auch neue Potenziale. Und wer hier vorausschauend handelt, verschafft sich klare Vorteile in einem Markt, der immer dynamischer wird“. (Ausgabe Mai/Juni, S. 19)

Raimund Paetzmann, Logivalue:
„Logistik und Verkehrsinfrastruktur sind systemrelevant und für die Versorgung Deutschlands entscheidend. Ich sehe Bewegung: Das Projekt Logport VI in Duisburg wurde als systemrelevant eingestuft. Kommunen erkennen, dass Logistik heute nicht nur Lkw-Verkehr bedeutet, sondern drei- bis fünfmal so viele Jobs im Vergleich zu Datencentern schafft und zur kommunalen Energiewende beiträgt. Unser Appell lautet, Logistik als Infrastruktur mit eigenem Flächenziel in Regionalplänen zu verankern und große Brownfields oder Konversionsflächen zu priorisieren“. (Ausgabe Juli/August, S. 19)

Peter Bergmann, Alcaro Invest:
„Chinesische Unternehmen treten im deutschen E-Commerce mit anderen Erwartungen auf, insbesondere was die Struktur ihrer Logistik betrifft. Während hierzulande oft ein Geflecht aus spezialisierten Dienstleistern einzelne Schritte der Lieferkette übernimmt, bevorzugen Player aus Fernost integrierte Standortlösungen. Das heißt: Möglichst viele Prozesse sollen an einem Ort oder in einer Hand gebündelt werden. Statt ein Netz aus vielen kleineren Lagerstandorten aufzubauen, setzen sie zunächst auf wenige zentrale Gateways“. (Ausgabe Juli/August, S. 25)

Prof. Dr. Thomas Beyerle, Hochschule Biberach:
„Immer erscheinen die aktuellen Umwälzungen und Herausforderungen die größten, welches es jemals gab. Doch stimmt das? Gefühlt mag das sein, in der nüchternen Welt der rationalen Analyse jedoch ein klares Nein. Denn letztlich kommen 99% der „plötzlichen“ Ereignisse mit Ansage, „man hätte es sehen können“ wird dann gern als Erklärung des retrospektiven Versagens von „Experten“ angeführt. Dabei geht es weniger um das Wissen selbst, sondern um die Vorstellungskraft, welche Wirkungen bzw. sich Konsequenzen daraus erwachsen. Vor allem in welchem Zeitraum“. (Ausgabe September/Oktober, S. 16)

Andreas Schulten, Stadtwerte:
„Die Jahre von 2009 bis 2022 waren ein heftiger Einschnitt in den normalen Zyklus. Wir hatten Wachstum in den Bereichen Wirtschaft, Bevölkerung und Beschäftigung. Alles angetrieben von der Niedrigzins-Phase. Für Deutschland war entscheidend, dass die im Euro-Raum vorherrschende Austerität beispielsweise eine Stadt wie Berlin zu einem der weltweit begehrtesten Anlageplätze gemacht hat. Ebenfalls einschneidend ist die politische Ignoranz. Früher gab es eine aktive Baupolitik. Momentan wird diese Funktion eher von den Medien erfüllt. Allerdings negativ“. (Ausgabe September/Oktober, S. 27)

Prof. Dr. Christian Schlicht, Hochschulen Fresenius:
„KI wird die Immobilienwirtschaft grundlegend verändern: Entscheidungen werden schneller, datenbasierter und transparenter. […] Daten allein sind nicht ausreichend. Erst durch die koordinierte Nutzung von KI-Agenten, die wie Instrumente in einem Orchester aufeinander abgestimmt werden, entstehen verlässliche, belastbare Entscheidungen. […] Die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft bedeutet nicht nur Effizienzsteigerung, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für Nachhaltigkeit, Innovation und Kundennutzen. Energieverbrauch, Gebäudezustand, Nutzungspotenziale oder Finanzierungsrisiken werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel sichtbar – wie ein vollends orchestriertes Musikstück“. (Ausgabe November/Dezember, S. 13)

Prof. Dr. Michael Schröder, DHBW Mannheim:
„Der Mensch als Entscheider ist grundsätzlich nicht gefeit von Fehlern während eines Entscheidungsprozesses – privat wie im Job. Wir Menschen machen Denkfehler […]. Als ob diese systematischen Verzerrungen (Bias) nicht schon elend genug wären, kommen nun noch zufällige Schwankungen und Abweichungen in Urteilen und Entscheidungen (Noise) dazu. Situative Faktoren, wie Stimmung oder Wetter, unterschiedlich gewichtete und interpretierte Informationen oder einfach nur zufällige Schwankungen – derselbe Mensch kann zu verschiedenen Zeitpunkten zu abweichenden Urteilen kommen […] Da stellt sich doch die Frage, ob eine KI zu besseren Entscheidungen kommen würde, konkret: ohne Bias und ohne Noise“. (Ausgabe November/Dezember, S, 18)



